Reflektorin #mmc13

Ein Hauch von Überforderung

Der MOOC Maker-Course 2013 steht in den Startlöchern. Schon im Vorfeld spüre ich allerdings einen leichten Hauch von Überforderung. Hier ein paar Sätze zu den Gründen.

 

 

1. Twitter…

ist eine wunderbare Plattform, die ich von Anfang an geliebt habe. Schnell, aktuell und vor allem mit der Option, unglaublich viele Informationen gebündelt zu erhalten und umzuverteilen. Ich brauche das Visuelle nicht, wenn ich mich informieren will. Mir fehlen die unterhaltsamen Bildchen nicht, die viele Infos begleiten. Das habe ich auf Facebook, und oft sind sie ohnehin eher unterhaltend als informativ.

Aber: Twitter ist im Rahmen einer Veranstaltung, die über einen Hashtag Aktuelles von Leuten, die sich dort beteiligen bündelt, auch anstrengend. Egal, ob man über ein BarCamp, also ein nicht-virtuelles Ereignis oder ein virtuelles mitliest und mittwittert. Teilweise ist es ein ganz schönes Chaos. Persönliche Unterhaltungen mischen sich mit den Top-News und mit kuratierten Hintergrund-Infos. Bei meiner Kuratierung auf Pearltrees für den #mmc13 klicke ich alles mit RT (Retweet eines Tweets, den man interessant findet) schon gar nicht mehr an.

Wir hatten im Vorfeld des #mmc13 schon Begeisterung über

  • die TN-Zahl von 150 und das verdiente “M” vor dem OOC (“Massive” Open Online Course)
  • den Prozess der Entstehung eines #mmc13-Jingles
  • die erfolgreiche Diskussion zum Thema “wie erstelle ich einen Podcast”
  • die Erwähnung von Stephen Downes zum #mmc13

Dazu wiederholte Erwähnungen zur Motivation von Teilnehmern, weitere geplante MOOCs, Aufforderungen zum Mitmachen, Randdiskussionen zu MOOCs auf Blogs, Lob für Medienverzeichnisse zum #mmc13, einen Haufen kuratierte Artikel über scoop.it zu Hintergrund-Materialien und themenbezogener Web-Sekundär-Literatur.

Mein Problem mit dem Twitter-Stream

  1. Twitter ist ein aktives Medium. Infolge twittern vor allem die Leute, die beim #mmc13 eine aktive Rolle einnehmen. Die Timeline ist voll mit deren Infos, Diskussionen, Anmerkungen und Retweets.
  2. Es gibt ja die Option, Twitter zu automatisieren. Also zum Beispiel alle Tweets zum Hashtag in den Blog zu integrieren. Oder alles, was ich scoope oder in Pearltrees ablege, automatisch mit Twitter zu verbinden. Hatte ich zu Beginn aus Versehen beim Anlegen meines Pearltrees in den Einstellungen drin. Und schon war die Timeline des #mmc13 voll mit jedem neuen Link, den ich gepearlt habe. Bedeutet: Wiederholtes Teilen von Informationen, die sowieso alle abrufen können/abrufen oder die eben schon bekannt sind. Ist ruckzuck geändert worden.
  3. Muss man immer RT’s machen? Muss man immer wieder in seiner Timeline darauf hinweisen, daß man jetzt am #mmc13 teilnimmt? Vielleicht, denn wer mehr als 1000 Follower hat wie ich, muss sich bemerkbar machen. Sonst wird er im endlosen Stream gar nicht wahrgenommen. Sobald ich mich auf einen Hashtag konzentriere, ist das ständige RT aber ein eher störender Faktor.

Ich wünsche mir eigentlich eine gewisse Twitterkultur. In einstündigen Twitterchats gibt es den Habitus, daß man die Leitfragen mit Bezeichnungen versieht wie F1, F2, F3 etc. für Frage 1, Frage 2 usw. Dieses Kürzel als Hashtag dem eigenen Tweet hinzugefügt zeigt gleich, auf welche Frage ich nun antworte.

Könnte man so eine “Twitterkultur” im Vorfeld eines MOOC auch etablieren? Wenn ja, wie sähen die Hashtags aus? RT erkennt jeder, scoop.it’s sind erkennbar, News auf der Homepage #mmc13 auch. Einige weitere Vorschläge:

  • #di für diskussion
  • #lit für literaturhinweise
  • #new für einen neuen Blogpost
  • #w1, #w2 etc. für das wochenthema

2. Die Rolle der Reflektoren

Kürzlich war ich mit Sabine Hueber (@designeon) in einem privaten Google-Hangout. Das Gespräch kam auch auf den #mmc13. Ich erlebte einen Moment totaler Erstarrung, verkrampfte Schultern, Schnappen nach Luft, als sie ihre Erwartungen an die ReflektorInnen formulierte. ReflektorInnen sollten quasi die Wocheninhalte zusammen fassen im ersten Schritt. Und dann natürlich noch ihre Reflektion zum Gesamtgeschehen abgeben im zweiten Schritt.

Als sich die Erstarrung gelöst hatte, ploppte ein “Nein, da erwartest Du zuviel” aus meinem Mund.

  • zum Einen habe ich aus persönlichen Gründen gar nicht die Zeit und die Energie-Ressourcen, wirklich ALLES genau zu lesen, zu überdenken, schriftlich zusammen zu fassen
  • zum Zweiten sehe ich die Rolle der/des ReflektorIn/s als eine untergeordnete. Die Organisatoren haben leider bzw. freiwillig nach den MOOC-Regeln die Pflicht, wöchentliche Übersichten zu erstellen. Ob diese alle Inhalte bündeln können/sollen/wollen, sei erstmal dahin gestellt.
  • zum Dritten gibt es von Freiwilligen mit scheinbar größeren Energie-Reserven als meinen schon das Angebot, alle #mmc13-Ressourcen zu bündeln: XING KM Wiki von Boris Jäger oder sich z. Bsp. über die laufenden “Feeds” up-to-date zu halten.

Mein Problem mit Erwartungen an die Rolle ReflektorIn

Dieses Gespräch und die Erwartungen, die mir gegenüber geäußert wurden, zeigen mir zunächst ein Defizit auf. Da wurde etwas nicht gelesen. Im Footer der #mmc13-Homepage findet sich ein Link zur Rolle der ReflektorInnen. Diese Infos bzw. Vorschläge erhielten auch alle ReflektorInnen als Mail, als Hilfestellung für das Vorgehen. Was sich mit meinen Vorstellungen deckte.

Hier die Vorschläge für Leitfragen als ReflektorIn in verkürzter Form:

  • Was ist in dieser Woche produktiv und positiv gelaufen? Woran hat das gelegen?
  • Wie habt Ihr den Aktivitätsgrad der TN empfunden?
  • Wie habt Ihr die Stimmung wahrgenommen?
  • Sind die Organisatoren den angesetzten Themen gerecht geworden?
  • Was sollte man in der Folgewoche bei behalten, was intensivieren, was raus werfen?
  • Vorschläge für ein anderes Herangehen?

Sicher sind hier noch ganz andere Leitfragen möglich. Und vielleicht sammeln die Reflektoren im Verlauf des #mmc13 die Fragen, die sie sich selbst als Leitfaden setzen.

Mein Vorschlag: bitte erwartet nichts. Ich weiß selbst noch nicht, wie ich es machen werde. Mein Arbeitsallag zwingt mir auf, schon am Sonntag meinen wöchentlichen Reflektionspost vorzubereiten. Damit fehlen dann zunächst die Überlegungen zu den Aktivitäten am Montag und Dienstag. Montag abend kann ich überarbeiten, am Dienstag bis 20 Uhr muss mein Post fertig sein, damit er auf die Homepage des #mmc13 kommt. Dazwischen liegen noch zwei Arbeitstage mit 9-to-5-Job und ab und an abends Online-Meetings.

Auf Vollständigkeit muss also verzichtet werden.

Dazu sehe ich das Ganze mit Coaching-Haltung

In einem Coaching-Prozess weiß ich nie alles über meinen Klienten. Und das macht gar nichts. Denn Coaching ist neben der Erhebung der Standortanaylse und der Lebensumstände des Klienten darauf ausgerichtet, im Hier und Jetzt zu agieren. Nicht alles muss ausgesprochen oder hinterfragt werden. Ein Coach verlässt sich neben seiner/ihrer Selbstreflektion (um Übertragung und Spiegelung) zu vermeiden, auf seine/ihre Intuition.

Angewandt auf die Rolle der Reflektorin beim #mmc13 bedeutet dies: die Standortanalyse läuft über die Kuratierung auf Pearltrees. Die Reflektion erfolgt auf Basis der heraus stechenden Aspekte, die mir dabei ins Auge fallen. Die mich ansprechen und intellektuell oder auch emotional beschäftigen.

So, wie ich eine gewisse Beziehung zum Coaching-Klienten habe, die keine freundschaftliche ist (aber dennoch eine zwischenmenschliche) werde ich auch eine gewisse Beziehung zum Geschehen beim #mmc13 haben. Und somit das thematisieren, was mich “anspricht”.

Diese Arbeitsweise hat sich im Coaching bewährt und sie wird sich auch in der Rolle der Reflektorin bewähren.

 

4 thoughts on “Ein Hauch von Überforderung

  1. … Deinen Ansatz, die Re-Flexion des #mmc13 aus einer “Coaching-Haltung” heraus vorzunehmen finde ich klasse! Besonders interessiert mich dabei, wie das mit Hilfe des von Dir gewählten Werkzeugs pearltrees funktioniert: die Struktur, die Du dort angelegt hast, finde ich sehr hilfreich und ich bin gespannt, wie Du dort … womöglich blitzhaft, hoffentlich subjektiv, emotional … die Prozesse des #mmc13 re-flektierst, “re-coachst”, “meta-pearlst”, “re-strukturierst” … viel spannender, als eine (lineare) Zusammenfassung von einem “neutralen” point-of-view aus :-)

    von der Methodik erinnert mich Deine Herangehensweise auch ein bisschen an das “Weaving” (“Ver-Weben) in der E-Moderation:
    .
    “(Ver-) Weben ist ein Verarbeitungsprozess, durch den unterschiedliche Diskussionsbeiträgezueinander in Beziehung gesetzt werden – wie bei der Herstellung eines Musters durch das Verweben verschiedenster Fäden.
    Durch das Weben kann der E-Moderator den Fokus auf einen bestimmten Aspekt in einer Diskussion richten, indem er die zentralen Aussagen der Teilnehmenden sammelt und sie untereinander in Beziehung setzt.”
    .
    … so wie im #opco11 neue Formate für die Webkonferenz gesucht und ausprobiert wurden (nicht zu vergessen: Christian Spannagels geniale “Konzerte” und “Konzeptproben”: http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Cspannagel/opco11#Freie_Konzerte) -> so gilt jetzt, neue Formate, Formatierungen, etc. dafür zu finden, was früher “Re-flexion” hieß – und sich in einem einzelnen Kopf abspielte :-)

    1. Lieber Heiko,

      möglicherweise spielt neben der Coaching-Haltung tatsächlich auch der journalistische Hintergrund und die Erfahrungen als E-Moderatorin sowie generell im eLearning eine Rolle bei meinen Überlegungen.

      Ich hatte vorab nicht gedacht, daß ich die Rolle der Reflektorin reflektieren würde. Aber durch das Einrichten von Pearltrees als (subjektiver) Kuratierung (für mich und andere) und durch das Verfolgen der Aktivitäten im Vorfeld kamen mir eben die im Artikel artikulierten Gedanken.

      Ich hoffe, daß es dadurch eine fruchtbare Diskussion über Rollen bei einem MOOC, managen der Informationsflut und vor allem Überlegungen bezüglich des Umgangs mit eigenen und fremden Erwartungshaltungen geben wird.

      Andrea

  2. Liebe Andrea,

    da hat es mir doch im Finger gezuckt… und ich wollte den Post doch gleich mal auf Twitter werfen, … da besann ich mich. Und habe mich nun für einen Kommentar als adäquate Reaktion entschieden. Du siehst, Deine Worte haben schon gefruchtet. :)

    Ich finde a) (wie öfters) Deine Strukturiertheit sehr beeindruckend, und noch mehr b) Deine klare Selbstverortung. Zum #mmc13, Deiner Rolle, Deinem Zeitbudget. Sozusagen das, was einem ja in MOOCs auch immer in der TN-Rolle angetragen wird, sich zu fragen:
    Was sind Deine Ziele? Wann empfindest Du Deine Teilnahme als erfolgreich?

    Das werde ich jetzt gleich mal auf der Lernspielwiese für mich als (Mit-)Veranstalterin überlegen.

    Danke für Anregung und Vorlage.

    Herzlich
    m

    1. Liebe Moni,

      freut mich, daß Dich meine Gedanken inspirieren. Und natürlich bin ich gespannt, was Du an Überlegungen bloggen wirst.

      Die Selbstverortung (taucht übrigens auch immer im Coaching und der Supervision auf, der Begriff) ist ein wichtiger Aspekt – denn in dem Moment, in dem ich mir über meine eigenen Vorstellungen innerhalb eines größeren Rahmens klar werde, kann ich mich aktiv und selbstbestimmt verhalten.

      Dabei geht es meines Erachtens eben nicht darum, den Vorstellungen anderer gerecht zu werden. Und oft nicht mal den eigenen. Als Mensch, der immer hohe Ziele setzt, habe ich schon öfter erfahren müssen, daß weniger oft mehr ist. Solange man konzentriert, klar und authentisch dabei ist.

      Schön wäre eigentlich, wenn man so einer Rolle wie der von Reflektoren ein schärferes Profil geben könnte. Eine Aufgabe für die kommenden fünf Wochen?
      Wir werden sehen. Auch Heikos Überlegungen (siehe oben) finde ich diesbezüglich sehr spannend.

      Viele Grüße,
      Andrea

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