5. Alles Wiki oder was?
Der Sekt steht kalt: Fünf Wochen Reflektionsarbeit nähern sich dem Ende. Am Ende Part 5: über ein Wiki, das ein Handbuch werden soll.
Die Aufgabe für die Woche Fünf des MOOC Maker-Course klang leicht. Sammeln wir unsere Erkenntnisse in einem Handbuch. Dafür fangen wir mit einem Wiki an, aus dem wir später ein E-Book machen können.
Was ist ein Wiki?
Ein Wiki ist erstmal nicht Wikipedia. Es war schon lustig, daß dieser Kommentar irgendwann auf Twitter so nebenbei vorbei rauschte. Das Verhalten vieler Teilnehmer und auch das der OrganisatorInnen des MOOC Maker-Course zeigte aber deutlich, daß man sich über so eine einfache Tatsache erstmal verständigen muss.
Wiki – von haiwaianisch für schnell. “ein Hypertext-System für Webseiten, deren Inhalte von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online direkt im Webbrowser geändert werden können” - Definition auf Wikipedia
Wikipedia – ein Onlinelexikon, gegründet im Jahr 2001, beruhend auf der Idee von Wikis. – Definition auf Wikipedia
Man muss die Leute doch heran führen
Genau wie im Blog ist man im Wiki auch erkennbarer Autor.
Ganz anders als im Blog stellt man seine geschriebenen Inhalte aber gleich im Namen der Allgemeinheit zur Verfügung.
Zum freien Teilen, unter einem Layout, das nicht dem eigenen entspricht und somit keinen Erkennungswert für die eigene Arbeit/Autorenschaft bietet. Ein bisschen mehr Community-mäßig halt. Zum vorrangigen Nutzen für alle, sozusagen. Und danach erst für die Einzelnen.
Keine schlechte Idee, aber eine, die doch mentale Hürden in den Köpfen vieler MOOC-Teilnehmer getroffen hat. Am Rande kleine Diskussionen über “hab’ keine Zeit”, “weiß nicht, wie es geht”, “weiß nicht, was ich beitragen kann”. Im Rahmenprogramm zwei Hangouts On Air mit stark motivierendem Tenor: “es geht, Leute”, “so macht man es”, “schaut mal hier”. Ein interessantes Paar geben sie ab, die Unsicherheit und die Zuversicht.
Open End
Auch ich war noch nicht so aktiv, außer daß ich mir ein Benutzerprofil zugelegt habe. Shame on me. Macht aber nix. Denn das MOOC-Maker-Wiki bleibt ja da, bleibt offen, man kann weiter daran basteln und stricken. Und bestimmt wird es noch öfter Erwähnung finden. Sei es im Rahmen von Evaluationen und der Präsentation des #mmc13 im Nachgang oder vielleicht sogar im Rahmen von künftigen MOOC’s.
Vorerst “Tschüß”…
… von mir. Der Sekt bleibt geschlossen, eine Erkältung naht. Ich habe mir ohnehin eine Pause vom Reflektieren verdient. Was fehlt ist noch eine Analyse der Reflektoren-Rolle, versprechen will ich heute aber nichts.
Daher an dieser Stelle nur ein Danke an alle Aktiven, Passiven, an die VeranstalterInnen. Der MOOC Maker-Course nähert sich dem Ende. Spass hat’s gemacht, auch wenn es bisweilen anstrengend war. Aber man braucht ja Futter für das Gehirn. Pathetisches will mir heute nicht gelingen, aber das braucht es wohl auch nicht. Ich brauche mir nur meinen Pearltree, den Blog-Aggregator, die Wiki’s von André J. Spang und Boris Jäger anzusehen. Und schon weiß ich, daß wir alle gewonnen haben.
Wir sprechen uns noch, denn das MOOCen hat gerade erst begonnen.
“Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne”. (frei nach Herman Hesse)
Ein bisschen PM bei der Social Media Week Hamburg
Projektmanagement. Jeder macht es, kaum einer hat es von der Pike auf gelernt. So ähnlich steht es in der Broschüre der TLA/ADWH zum beliebten Blended-Learning-Kurs Projektmanagement. Organisation online im Rahmen von PM ist nochmal was anderes.
Einen kleinen Einblick in Tools gibt es jetzt auf der #smwhh13 – der Social Media Week Hamburg, die vom 18. bis 22. Februar statt findet. Die ADWH beteiligt sich an der Social Media Week mit dem Workshop-Tag “Practise Day” am 21.2., der in Kooperation mit den Digital Media Women gestaltet wird. Ich biete einen Workshop zu PM-Online-Tools.
Erfahrung bringt Wissen
Das PM habe ich selbst auch “nur” durch Praxis gelernt, was nicht unbedingt ein Nachteil ist – denn Erfahrung und Fehler sind oft bessere Ratgeber als die Theorie. Als Projektmanagerin kenne ich natürlich auch die Inhalte unseres Kursangebotes und zusätzlich bin ich ja extrem umtriebig mit eigenen Projekten.
Bei den Paten-, Reflektoren- und Tutoren-Rollen im #ocwl11, #mmc13 und #ichkurs braucht(e) ich kein Tool, denn diese Aufgaben gehören nicht zur Kernorganisation. Anders sieht es da bei #wipra aus, das von mir und Monika König initiiert wurde, im Moment aber in Ruhepause ist. Dort mussten wir anfänglich nach Erweiterung des zweiköpfigen Kernteams auf vier Personen einen Weg finden, uns zügig online zu organisieren.
Das Projekt #wipra ist im Open-Learning angesiedelt und hat kaum finanzielle Ressourcen, daher fiel die Wahl nach gründlicher Recherche im ersten Schritt auf zwei kostenfreie Tools, die man später bei Vergrößerung des Orga-Teams zu einem annehmbaren Preis wird updaten können: Teambox und Trello. Aus dieser Recherche hat sich dann das Thema für den Workshop beim Practise Day ergeben.
Teambox und Trello im Test
Beim Practise Day werden wir also testen, was diese Tools zu bieten haben und in welchem Rahmen sie einsetzbar sind. Hierfür werde ich nach einer kurzen Einführung einen kleinen Use-Case vorstellen, der dann in zwei kleineren Gruppen auf den beiden Tool-Plattformen getestet wird.
Fragen zur Evaluation werden folgende sein:
A) Technisches Handling
- Zugang zur Plattform, Anlegen eines Nutzerprofils, Einladen von Teammitgliedern
- Intuitive Nutzbarkeit des Portals
- Hilfsangebote, Support
- Mobile-Affinität, Multi-Device-Using
B) Aufbau, Struktur und Möglichkeiten des Tools
- Administration, Sichtbarkeit, Untergruppen
- Logische Struktur für verschiedene Projektvorhaben
- Einbindung von externen Tools, Filesharing
- Visuelle Struktur
- Plugins, Optionen innerhalb des Tools
C) Of Interest
- Vorstellung der Analyse
- denkbare Szenarien im Rahmen des PM
- Anmerkungen, Verbesserungen, Lücken füllen
Knapp bemessen…
… so eine Stunde Workshop. Und mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss. Eine Einführung und eine kleine Erfahrung mit zwei von etlichen Online-Tools zum Projektmanagement.
Der Workshop ist offiziell voll gebucht, aber vielleicht schaut Ihr trotzdem bei uns vorbei. Mit Sicherheit wird der oder die Eine oder Andere nicht auftauchen obwohl angemeldet. Das haben wir mit einkalkuliert, eine Tasse Tee oder Kaffee gibt es auf jeden Fall.
Und mit Sicherheit auch Gespräche mit Praktikern aus Social Media, Community Management, Blended-Learning, Blogging und Curation. Trefft Agnieska Kreminska (Social Media Führerschein), Taalke Renken (Screendesign), Kixka Nebraska (Profilagentin), Sina Gritzuhn (Sinas Welt), Sebastian Franz (keeb.it), Linda Schrieber (Community Management) und mich (die Haute Culture) live. Für spannenden Input und gute Gespräche.
4. Money makes the MOOC go around
4. Money makes the world MOOC go around. Erkenntnis der 4. Woche im MOOC Maker-Course #mmc13?
Eine ruhige Woche liegt hinter den TeilnehmerInnen und LeserInnen des MOOC-Maker Course. Es hat kaum Mühe gemacht, den Twitterstream zu verfolgen, die G+ Gruppe scheint zu schlafen. Blogartikel? Wenig, wenn man von den interessanten Impulsbeiträgen von Volkmar Langer, Jonas Liepmann, Johannes Moskaliuk und Ellen Trude absieht. Programmübersicht zum Nachlesen hier.
Was war da los?
Auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: es ist seltsam, denkwürdig und auch bezeichnend, daß die Beteiligung auf einen Schlag so rapide gesunken ist. Offensichtlich erfreuen sich Diskussionen über Konzepte, Modelle und Netzpolitik einer großen Beliebtheit. Sobald es aber ums Geld geht, verliert sich das Interesse in den Weiten des Webs.
Mich irritiert das. Legen wir mal die üblichen Hindernisse beiseite: Kranksein, mangelndes Zeitaufkommen, Freiwilligkeit in Bezug auf die Begeisterung für ein Thema – die Argumente zählen bei den anderen Modulen auch. Wenden wir uns dem Rahmen zu: der Titel des #mmc13 ist nicht umsonst gewählt, “make” bedeutet “machen”. Aber selbst wenn man nicht vorhat, in Kürze einen eigenen MOOC aus der Taufe zu heben, kann doch bei allen Teilnehmenden ein Grundinteresse an allen Aspekten der (erfolgreichen) Durchführung eines MOOC voraus gesetzt werden.
Der Input der Veranstalter ist…
… wirklich hervorragend gewählt.
- Die Modelle von Volkmar Langer sind vielleicht erstmal keine leichte Kost, über das gewählte Tool Canvanizer aber nachvollziehbar dargestellt.
- Das kollaborative Google-Doc wurde zunächst mit einer schönen, detaillierten Aufstellung des Kosten- und Personalaufwands begonnen, blieb dann aber in der Bearbeitung stecken.
- Die Transparenz von Simon Dückert im wöchentlichen Hanogout-On-Air mit seiner Firmenseite Cogneon zu Wissensmanagement und -beratung zeigte deutlich, daß “open” sein und Geld verdienen sehr wohl miteinander kooperieren können.
- Auch der Ansatz aus der Community von Joachim Sucker, der nach einem Modell für Volkshochschulen sucht, war mehr als spannend.
Thema Universität
Natürlich kamen im Hangout-On-Air wieder die Modelle der großen amerikanischen Universitäten ins Gespräch. Interessiert nicht jeden, ist vielleicht auch nur für bestimmte Kreise von Interesse. Bildung ist in Deutschland Ländersache, seit der Bologna-Reform gibt es das Bachelor- und Mastersystem. Die Wirtschaft freuts, die Studenten stöhnen, was von der Politik dazu kommen wird, bleibt abzuwarten. Auch, ob MOOC’s im deutschen Hochschulsystem Fuss fassen werden bzw. welche Vor- und Nachteile zu erwarten sind, sei mal dahin gestellt.
Es gab aber auch andere schöne Themen
Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Wertigkeit des Kapitalismus sich extrem zu Lasten der menschlichen Bedürfnisse und Grundrechte verschoben hat. Daran trägt weder die technische Entwicklung Schuld noch “die” Firmen, “die” Politik, “die” abstrakten Gebilde, die man gemeinhin als Organisationen bezeichnet. JedeR Einzelne von uns ist daran beteiligt, indem er oder sie sich dem Druck der Hierarchien beugt, den Markenversprechen, der TV-Beschallung, dem Zwang, immer das neueste kleine mobile Gerät zu besitzen. Das ist uns allen wohl klar und es muss jedeR täglich neu mit sich selbst ausmachen, wie er oder sie sich verhält, welche Haltung und welche Handlungen man zeigt.
Deshalb aber die jeweiligen Organisationen per se als einseitige Interessengemeinschaften hin zu stellen, verflacht jede Diskussion und gibt der anhaltenden Bewegung nur Vorschub. Schön war es daher, vor allem im Twitterchat zum Hangout eine Art Parallel-Diskussionen zu erleben, die hier immerhin etwas differenzierter ansetzte.
Einige Zitate:
- Beglückung von Lernenden in Massen gab’s ja via Lehrbuch schon immmer
- Prof wird zum Zertifikator
- Lehrende als Überblickshalter
- Wer will Zertifikate sehen? Betrieb, Arbeitgeber
- Lernbegleiter = Sparringspartner mit passenden Lernfragen
- Man bezahlt nicht für Inhalte, sondern für den Zugang zu Inhalten
- Was wäre mit Zugang zu Bildung wie Zugang zu Filesharing, Jahresflat
- Wann und inwieweit erkennen Arbeitgeber (informelle) Weiterbildung an
- Diversität in der MOOC-Landschaft
- Sponsoring durch Unternehmen, wenn Inhalte nicht eingefärbt
- Wenn Sponsor bekannt, kann ich Einfärbung einschätzen
- Sponsoring nicht immer nur Einflußnahme, auch eigene Imagepflege
- Unternehmen haben Stiftungsstühle
- Werden Anforderungen an Bildung und Bildungsziele nicht immer mehr von Unternehmen bestimmt
- MOOC=Innovation=Bedrohung für Etablierte
- Teilnahme kostenlos, Orga bekommt trotzdem Geld: Funding, Sponsoring
- Mehrwert ist die Community, nicht der Inhalt. Da ist das Geschäftsmodell
- ROI: Ruhm, Ehre, Vorreitertum, Innovationserfahrung u.a. immaterielle Werte
- Bezahlung, Entlohung, Leistung, flattr
- Was zahle ich als TN, muss das Geld sein – Aufgabe übernehmen statt Geld geben
Mir fiel auf im Gesamtbild
… daß es sehr wohl bestimmte Feindbilder als auch eine gewisse Frustration angesichts einer scheinbar übermächtigen Welle von einseitig orientierten Interessensgruppen in der Bildungslandschaft gibt. Der Rückzug auf die “ehrenwerte” Gegenhaltung, die ein Umdenken einfordert zugunsten der Lernenden scheint logisch. Dennoch soll ja irgendwie der “ehrenwerte” Einsatz der Aktiven, der Innovativen, der neuen Bildungsmacher, auch entlohnt werden. Vorrangige Vorschläge gehen pragmatisch in Richtung gutem, alten Tauschhandel und Bemerkungen der Art, daß Ruhm und Ehre ja auch nicht zu verachtende Belohnungen seien. (Sowie eventuelle Folgeaufträge mit monetärer Komponente, dazu hätte ich in einem Jahr dann gerne mal Rückmeldung von Dörte, Heinz und Monika).
Gerade Freischaffende, von denen merkwürdigerweise sehr viele unter den potenziellen MOOC-Makern sind, können bei so etwas nur mit der Stirn runzeln. Jasmin Hamadeh hat dann auch provokant nachgelegt mit zwei kleinen sehr amüsanten Blogposts hier und hier.
Misch-Modelle, nicht ganz “open”
Mir persönlich gefällt ein neuer Typ Misch-Modell, der TeilnehmerInnen das Angebot macht, je nach Interessenlage auch Geld in unterschiedlicher Höhe zu bezahlen, um an einem offenen Kurs teilzunehmen.
Zum einen ist da Flowshower.com, die “Low-Budget-Dusche für kreativen, vernetzten Flow”, wie Anja Wagner es betitelt. Man wählt vor der Teilnahme die gewünschten Komponenten wie Online-Lektüre, PDF, Buch, ergänzendes Material und Feedback und zahlt in Abstufungen 0, 49, 69 oder 99 Euro.
Zum anderen ist da der Ich.Kurs von Johannes Moskaliuk in vergleichbaren Abstufungen, die er Mitgliedschaften Free, Active, Premium und Professional nennt. Zum Preis von 0, 12,90 Euro und 49 Euro. Dazu ist Sponsoring möglich.
Zugegeben, das sind dann keine MOOC’s mehr, eher OOC’s. Aber sie sind eine realistische Alternative, um Wissen zu teilen und trotzdem einen monetären Gewinn einzustreichen. In bescheidenem Rahmen, aber überlassen wir Gewinnspannen von 300 % doch einfach den großen “Bösen”. Vielleicht nennen wir diese Hybriden FOOC (financed open online courses) oder MFOOC (moderately financed open online courses)?
Geben und Nehmen in Verhältnismäßigkeit
Wie wäre es damit? Ich will wenig, also gebe ich auch weniger. Ich will mehr, also gebe ich auch mehr. Denn von guter Energie und positiver Rückmeldung alleine füllt sich noch kein Kühlschrank.
Und wo wir gerade dabei sind: Ich gebe zurzeit auch, indem ich die Reflektionen schreibe. Natürlich werde ich wieder mehr gelesen, aber wenn Sie wirklich etwas für mich tun wollen, das sich auch monetär auswirken könnte:
Bis spätestens Juli suche ich eine neue berufliche Herausforderung im Kompetenzfeld zwischen HR, e-Learning, Journalistik und Social Media. Spitzen Sie die Ohren, empfehlen Sie mich, empfehlen Sie mir interessante Projekte und Stellen. Ich nehme sowohl Projektarbeit in (vorübergehender) Festanstellung als auch Rahmenverträge zu Beratung und Umsetzung von spannenden Blended-Learning-Konzepten.
Und verzeihen Sie den bissigen Unterton in diesem Artikel, denn die erfahrbaren Realitäten heben sich deutlich vom moralisch ehrenwerten Engagement ab. Ich könnte es gut gebrauchen, daß hier ein bisschen mehr Verhältnismäßigkeit einkehrt.
Frage: wie kommen wir zu MOOC-Money?
Antwort: über Realismus und Optimismus.
“Wenn heute ein Philosoph zu verstehen gibt, er sei kein Skeptiker – [...] – so hört alle Welt das ungern; man sieht ihn darauf an, mit einiger Scheu, man möchte so vieles fragen, fragen, fragen…” (Friedrich Nietzsche – Jenseits von Gut und Böse)


























Coach, Journalistin, Projektmanagement Blended-Learning.
Hier blogge ich über Coaching und interessante Open-Learning-Projekte.
Projektmanagerin des eLearning-Angebotes der TLA/ADWH 
